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Liquidität in der Übergabephase: worauf Inhaber achten
Die Monate rund um den Stichtag belasten die Kasse anders als der Normalbetrieb. Nicht, weil der Betrieb schlechter läuft, sondern weil Posten zusammenfallen, die sonst über Jahre verteilt sind. Wer sie kennt, kann sie früh mit Treuhand und Bank besprechen. Dieser Beitrag nennt die häufigsten; er ersetzt kein Gespräch mit Ihrer Treuhand.
Was in der Übergabe gleichzeitig anfällt
Honorare für Notariat, Treuhand und allfällige Gutachten. Ferien- und Überzeitguthaben, die bei einem Wechsel häufig abgerechnet werden. Investitionen, die lange aufgeschoben wurden und nun vor der Übergabe doch gemacht werden – oder nach dem Stichtag vom Nachfolger erwartet werden. Dazu die Doppelbelastung in der Überlappung, wenn zwei Personen Lohn beziehen, der Umsatz aber der einer Person bleibt.
Debitoren und Kreditoren am Stichtag
Wem gehören die Rechnungen, die vor dem Stichtag gestellt, aber danach bezahlt werden? Wer zahlt die Lieferantenrechnung, die nach dem Stichtag eintrifft, aber Material von vorher betrifft? Diese Fragen regelt der Vertrag; im Alltag entscheiden sie aber darüber, ob der Nachfolger in den ersten Wochen Geld auf dem Konto hat. Eine Stichtagsbilanz mit klaren Abgrenzungen ist deshalb mehr als eine Formalität.
Die Finanzierung des Nachfolgers
Ob Familie, Team oder extern: Die übernehmende Person muss den Kaufpreis aufbringen, und das gelingt in kleinen Firmen selten aus eigenen Mitteln. Üblich sind Kombinationen aus Eigenmitteln, Bankkredit und einem Darlehen des bisherigen Inhabers, das über Jahre zurückbezahlt wird. Jede dieser Komponenten hat Folgen für die Liquidität der Firma: Zinsen und Rückzahlungen müssen aus dem laufenden Betrieb kommen. Das Briefing zu Bewertungsmethoden erklärt, wie eine Preisspanne entsteht; über die Finanzierung selbst sprechen Sie mit der Bank.
Was der Inhaber selbst beachtet
Wer über Jahre Privates und Geschäftliches in einer Kasse geführt hat – das Firmenfahrzeug, die Wohnung über dem Laden –, trennt es idealerweise vor der Übergabe, nicht am Stichtag. Das macht die Zahlen für Nachfolger und Bank lesbar und verhindert Überraschungen in der Überlappung. Auch die eigene Vorsorge gehört in das Gespräch mit der Treuhand; Zahlen dazu nennen wir nicht, weil sie von Ihrer Situation abhängen.
Wann das Thema auf den Tisch kommt
Früh. Im Readiness Check zeigt sich, welche Posten mit dem Inhaber verknüpft sind; in der Roadmap wird festgelegt, wann Treuhand und Bank einbezogen werden und wer welche Zahlen vorbereitet. Je früher das passiert, desto weniger Entscheide fallen unter Zeitdruck in den letzten Wochen vor dem Stichtag – und desto ruhiger verläuft die Überlappung für beide Seiten.
Sie möchten die Zahlen Ihres Betriebs vor dem Gespräch mit Bank oder Gutachter einordnen können? Das Briefing zu Bewertungsmethoden dauert drei Stunden.
Was Sie zum Gespräch mit Treuhand und Bank mitbringen
- Die letzten drei Jahresabschlüsse mit Bemerkungen der Treuhand
- Offene Debitoren und Kreditoren zum heutigen Stand
- Liste der Posten, die mit dem Inhaber verknüpft sind
- Geplante oder aufgeschobene Investitionen mit grober Summe
- Ferien- und Überzeitguthaben der Mitarbeitenden
- Den gewünschten Zeitpunkt des Stichtags – auch als Spanne
Begriffe in diesem Beitrag
- Stichtagsbilanz
- Eine Bilanz auf den Tag des Eigentumswechsels, die festhält, welche Forderungen und Schulden zu wem gehören.
- Abgrenzung
- Die Zuordnung von Erträgen und Aufwänden zur Zeit vor oder nach dem Stichtag – unabhängig davon, wann Geld fliesst.
- Verkäuferdarlehen
- Ein Teil des Kaufpreises, den der bisherige Inhaber der übernehmenden Person als Darlehen stehen lässt und der über Jahre zurückbezahlt wird.
- Earn-out
- Ein Teil des Kaufpreises, der von späteren Ergebnissen abhängt. Er verlagert Unsicherheit, schafft aber Abstimmungsbedarf über den Stichtag hinaus.
Was dieser Beitrag nicht ist
- Keine Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerfolgen einer Übergabe beurteilt die Treuhand; Verträge entwirft das Notariat.
- Keine Finanzierungsberatung. Ob und wie eine Bank finanziert, besprechen Sie mit der Bank.
- Keine Zahlen zu Ihrem Betrieb. Was eine Übergabe kostet und wie viel Liquidität sie bindet, hängt von Ihrer Situation ab.
- Keine Bewertung. Wir erklären Methoden und bereiten das Gespräch vor; den Preis nennen andere.